01 In diesem Kapitel schauen wir uns die Lebensversicherung in Deutschland an. 02 Die Lebensversicherung bietet finanzielle Absicherung bei Tod oder Erleben eines bestimmten Alters. Lebensversicherungen sind freiwillig, also keine Pflichtversicherungen. In Deutschland gibt es im Wesentlichen zwei grundlegend verschiedene Arten von Lebensversicherungen, die unterschiedliche Bedürfnisse abdecken. 03 Eine Risikolebensversicherung als erste Art ist sinnvoll, wenn Sie eine günstige Absicherung im Todesfall suchen und ihre Hinterbliebenen nachhaltig absichern wollen. Insbesondere dann, wenn Sie einen einen Kredit oder ein Darlehen zum Beispiel auf Wohneigentum absichern möchten. Manche Banken verlangen bei hohen, langfristig laufenden Darlehen sogar den Nachweis einer Lebensversicherung als Sicherheit. Eine Kapitallebensversicherung als zweite Art ist sinnvoll, wenn Sie Ihre Hinterbliebenen absichern möchten und gleichzeitig Vermögen für das Alter aufbauen wollen. Je nach Konstruktion können Sie bei einer Kapitallebensversicherung auch Steuervorteile nutzen. 04 Was ist denn jetzt eine Risikolebensversicherung genau? Für den Fall, dass eine Person frühzeitig stirbt, sollten Familien mit einer Risikolebensversicherung vorsorgen; im Interesse der Kinder und auch des Lebenspartners. Sollte die versicherte Person sterben, zahlt diese Police den Hinterbliebenen einen vorab festgelegten einmaligen Geldbetrag, die Todesfallsumme. In dieser schwierigen Situation kann die Risikolebensversicherung helfen, finanzielle Verpflichtungen zu erfüllen. Zum Beispiel kann die Todesfallsumme für Kreditraten eingesetzt werden. 05 Wie ist die Beitragsgestaltung einer Risikolebensversicherung? Die Beiträge sind abhängig von ihrem Alter, Gesundheitszustand, Beruf und von der Laufzeit. Es gibt risikobasierte Beiträge: Das bedeutet, dass die Beiträge für ältere Versicherte oder Personen mit Vorerkrankungen wie beispielsweise Bluthochdruck höher sind. Optionale Zusatzbausteine wie Unfalltod-Zusatzversicherung können die Beiträge erhöhen. 06 Und was ist eine Kapitallebensversicherung? Die Kapitallebensversicherung stellt eine Kombination aus einer Risikolebensversicherung mit Zahlung im Todesfall und einem langfristigen Sparvorgang mit Zahlung nach Ende der Laufzeit mit Zinsen dar. Wenn die versicherte Person während der Vertragslaufzeit stirbt, erhält der so genannte Bezugsberechtigte die Versicherungssumme ausgezahlt. Erlebt der Versicherte den Vertragsablauf, wird das über die Laufzeit angesammelte Kapital an den Versicherungsnehmer ausgezahlt. 07 Dabei zahlt die Versicherungsgesellschaft nicht nur die vertraglich garantierte Versicherungssumme aus, sondern in der Regel auch einen zusätzlichen Anteil an den Gewinnen, die das Unternehmen während der Laufzeit aus Ihren Prämien erwirtschaftet hat; die sogenannte Überschussbeteiligung. Eine Ausnahme bilden fondsgebundene Lebensversicherungen, die in der Regel nur im Todesfall garantierte Leistungen bieten. Eine Kapitallebensversicherung können Sie in bestimmten Fällen auch beleihen und so als Sicherheit für ein Darlehen nehmen. 08 Die Beiträge setzen sich aus einem Risikoanteil und einem Sparanteil zusammen. Die Abhängigkeiten im Risikoanteil sind identisch zur Risikolebensversicherung. Der Sparanteil kommt zusätzlich hinzu. Die Überschussbeteiligung aus dem Sparanteil kann die Rendite erhöhen. 09 Was sind jetzt die Unterschiede der beiden Arten von Lebensversicherungen? Bei der Risikolebensversicherung liegt der Fokus auf dem Todesfallschutz. Es gibt keine Auszahlung bei Vertragsende, wenn der Versicherte noch lebt. Dafür gibt es günstigere Beiträge im Vergleich zur Kapitallebensversicherung. Die Kapitallebensversicherung ist eine Kombination aus Todesfallschutz und Kapitalaufbau. Es erfolgt eine Auszahlung bei Vertragsende, auch wenn der Versicherte noch lebt. Das wird als Erlebnisfall bezeichnet. Die Beiträge sind höher durch den zusätzlichen Sparanteil. 10 Noch ein Wort zu den steuerlichen Aspekten, obwohl ich natürlich keinerlei Steuerberatung durchführen kann und auch nicht darf. Bei der Risikolebensversicherung sind die Beiträge oft als sonstige Vorsorgeaufwendungen steuerlich absetzbar. Die Auszahlung im Todesfall ist meist steuerfrei für die Hinterbliebenen. Die Beiträge einer Kapitallebensversicherung sind teilweise steuerlich absetzbar; das ist abhängig vom Abschlussdatum und Vertragsbedingungen. Erträge aus Kapitallebensversicherungen unterliegen der Abgeltungssteuer. Sie sind jedoch nach aktuellem Stand steuerfrei bei Verträgen mit Laufzeit über zwölf Jahren und wenn mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt wurden. 11 Abschließend noch ein paar Fallbeispiele und eine persönliche Meinung. Beispiel eins ist eine Risikolebensversicherung für eine junge Familie. Sie dient der Absicherung der Hypothek und bietet finanzielle Sicherheit für die Familie im Todesfall. Es gibt günstige Beiträge durch das junge Eintrittsalter und durch die gute Gesundheit. Beispiel zwei ist eine Kapitallebensversicherung zur Altersvorsorge. Ziel ist der Aufbau eines Kapitalstocks für das Alter bei gleichzeitiger Absicherung der Familie. Es gibt höhere Beiträge, aber dafür auch eine garantierte Auszahlung und mögliche Überschussbeteiligung. Nun noch eine persönliche Meinung: Wer allein lebt oder keine finanziell abhängigen Verwandten oder Bekannten hat, benötigt meiner Meinung nach keine Risikolebensversicherung. Der Kapitalstock für das Alter kann auch direkt über Börsenprodukte aufgebaut werden. Dies können beispielsweise breit gestreute Aktien- und/oder Anleihen-ETFs sein. Eine Kapitallebensversicherung halte ich daher nur für Personen interessant, die sich nicht selbst etwas mit ihrer Finanzplanung beschäftigen wollen. #Lebensversicherung #Tod #Erleben #Risikolebensversicherung #Beitrag #Kapitallebensversicherung #Versicherungssumme #Sparanteil #Steuer #Hypothek #Sicherheit #Kapitalstock